Klug gekontert

Wie Ihr Euch beim Berufsstart nicht alles gefallen lasst.

Geht dir das auch manchmal so? Jemand wirft dir einen dreisten Kommentar an den Kopf, und es bleibt dir vor Empörung die Spucke weg. Schon im Privatleben ist das nervig, aber wie um Himmels Willen sollst du damit im Berufsleben umgehen? Solltest du als Berufsanfänger dumme Sprüche einfach runterschlucken, um nicht anzuecken? Oder solltest du reagieren? Und wenn ja, wie?

 

Meine Meinung ist da ganz klar. Auch im Berufsleben gilt unser Grundgesetz. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch der jüngste Praktikant der ganzen Firma hat das Recht darauf, anständig behandelt zu werden. Was allerdings nicht heißt, dass alle Kollegen und Vorgesetzten das auch verinnerlicht haben. Unangemessene Bemerkungen werden dir wahrscheinlich im professionellen Umfeld häufiger begegnen als dir lieb ist. Wie du solchem Missverhalten durch verbales Kontern elegant einen Riegel vorschiebst und dabei auch noch professionell rüberkommst, dazu hier ein paar bewährte Rezepte.

 

Einfach mal nachfragen

 

Lass uns einfach beginnen. Manchen dummen Sprüchen kann man schon den Wind aus den Segeln nehmen, indem man sie einfach ernst nimmt.

Wenn das nächste Mal blöde Bemerkungen fallen wie „Jetzt sind wir mal keine Korinthenkacker“ oder „Nun seien sie doch nicht so zickig!“, dann frage doch einfach mal ganz sachlich nach: „Was genau meinen Sie denn damit?“ Schon liegt der Ball wieder bei deinem Gegenüber. Das sich dann aus der peinlichen Lage winden muss, eine unpassende Bezeichnung ausführlich zu erklären. Und sich dabei wahrscheinlich selbst - mitsamt seiner Vorurteile - in Misskredit bringt. Wer möchte schon gern die etymologischen Verbindungen zwischen Trockenfrüchten und Exkrementen erklären müssen? Oder darlegen, was genau ein Ziegenkind mit dem Verhalten von Frauen zu tun hat?

 


Aus negativ mach positiv

 

Noch eine weitere Strategie bei negativen Kommentaren, die schlagfertig wirkt und dich im Nu von dem negativen Touch befreit. Der Trick besteht darin, einen negativ besetzten Begriff positiv umzudeuten.

 

Beispiel. Ein dahingeworfenes: „Emanze“ könntest Du beantworten mit: „Wenn eine Emanze jemand ist, der darauf achtet, dass Frauen bei uns im Unternehmen fair behandelt werden, dann sollte das ja wohl im Sinne aller sein.“

 

Einem larmoyanten: „Jetzt regen Sie sich doch nicht so auf!“ könntest du wirkungsvoll begegnen, indem du klärst, dass deine Aufregung gerechtfertigt ist. „Doch, ich rege mich auf, weil das nämlich ein kritischer Punkt für den Erfolg des ganzen Teams ist.“

 


Zurück zur Sache

 

Kommentare, die sich auf Persönliches beziehen, nerven oftmals ganz besonders. Aber das musst du nicht hinnehmen. Schließlich bist du am Arbeitsplatz, und deine Privatperson tut hier nichts zur Sache.

 

Blöde Bemerkungen zur Kleidung („Hey – cooles Outfit! Hast wohl noch was vor?“) oder zur Tagesform („Du siehst aber fertig aus - gestern wohl zu viel gefeiert?“) musst du nicht einfach so herunterschlucken. Du darfst ruhig dezent darauf hinweisen, dass du hier bist, um zu arbeiten, und dann direkt zurück zu professionellen Themen überleiten. Wenn du gleich eine sachliche Frage mit einbaust oder anschließt, zwingst du dein Gegenüber dazu, das Thema zu wechseln und wieder auf die Sachebene zu kommen.

 


Auf professionelle Rollen verweisen

 

Verblüffend häufig habe ich erlebt, dass sich Menschen im Berufsleben unangemessen verhalten, weil sie die berufliche Rolle ihres Gegenübers nicht respektieren.

 

Stell dir z.B. vor, du bist Marketing-Assistentin und gerade dabei, in Vorbereitung auf ein Meeting zur Vorstellung eurer Marketing-Kampagne letzte Absprachen mit deinem Kollegen zu treffen. Da platzt der Chef herein und bittet dich (vielleicht, weil du die einzige Frau im Team bist?), Kaffee für alle Meeting-Teilnehmer zu bereiten. Dann könntest du darauf pochen, dass du in deiner beruflichen Rolle für die Inhalte des Meetings und nicht für das Catering verantwortlich bist.

 

 

Oder eine ältere Kollegin meint, dir sagen zu müssen, wie du eine bestimmte Aufgabe erledigen sollst. Obwohl du vom (deutlich jüngeren) Projektleiter ganz klar andere Anweisungen bekommen hast. Hier solltest du klarstellen, wer für deinen Arbeitsbereich verantwortlich bist, und die Kollegin bitten, ihre Vorschläge mit dem Projektleiter zu besprechen.

 


Ganz besonders tricky wird es, wenn dein Chef sich aus der Verantwortung seiner Rolle stehlen will, indem er seine Mitarbeiter bittet, Probleme zu lösen, die in seinen eigenen Verantwortungsbereich fallen. Es fehlen nötige Arbeitsmittel? Zwei Mitarbeiter sind unterschiedlicher Meinung, was die Arbeitsteilung zwischen ihnen angeht? Und der Chef sagt bloß: „Löst das Problem doch bitte unter Euch!“? Klarer Fall von falschem Rollenverständnis. Anstatt sprachlos zu sein, könntest du in solchen Fällen darauf verweisen, dass diese Fragen doch wohl Chefsache seien und damit den Ball an die richtige Stelle zurückspielen. Wenn du ganz geschickt sein willst, dann kann dir auch ein entsprechendes Kompliment helfen, um den anderen in seiner Rolle in die Pflicht zu nehmen. „Sie als Abteilungsleiter haben in solchen Fragen ja die meiste Erfahrung von uns allen“. Wer könnte da widerstehen, seine Rolle begeistert zu erfüllen?

 

Wenn gar nichts mehr geht

 

Trotz aller Vorbereitung wird es sich aber wohl nie ganz vermeiden lassen, dass dich doch mal ein ganz besonders blöder Kommentar so aus den Socken haut, dass du einfach sprachlos bist und dir partout keine (geschweige denn kluge) inhaltliche Entgegnung einfällt. Dafür solltest du dir einen sprachlichen Notfallkoffer zurrechtlegen, auf den du im Zweifelsfall zurückgreifen kannst. Denn irgendein verbales Signal ist immer noch besser als gar keine Reaktion. Damit zeigst du deinem Gegenüber, dass es sich unangemessen verhalten hat und dass man so nicht mit dir umgehen kann.


Ein einfaches „Stop!“ beispielsweise sendet ein klares Signal, dass hier etwas schief läuft. Das ist allemal besser, als den Mund halten und dem Anderen das letzte Wort zu überlassen. Und es gibt dir etwas Zeit, dich zu sammeln. Wenn du magst, kannst du auch noch ein kurzes Statement dazu anhängen, was da gerade passiert ist. „Sie haben mich gerade beleidigt“ oder „Das ist eine Unterstellung“ signalisiert dem Angreifer, inwiefern er sich gerade fehlverhalten hat, und stellt ihn ggf. auch vor Mithörern bloß.

 

Kontern trainieren

 

Hat dich das inspiriert? Warum übst du nicht im persönlichen Umfeld schon mal die eine oder andere Strategie, damit du sie im Ernstfall sicher abrufen kannst? Nimm dir doch einfach mal an einem Tag morgens eine bestimmte Methode vor, und versuche, sie über den Tag verteilt immer wieder einzusetzen. Mit der so gewonnenen Sicherheit wirst du nie mehr sprachlos dastehen. Und dir vom ersten Tag im neuen Job den nötigen Respekt verschaffen. Viel Erfolg!

 

 

Dumme Sprüche, kluge Antworten

 

Dummer Spruch:

„Frau Meier, unsere Büropflanzen könnten mal wieder von ihrer fürsorglichen Hand gegossen werden!“

 

Warum nicht mal so antworten?

„Ich bin Softwareentwicklerin. Mit Topfpflanzenentwicklung kenne ich mich nicht aus.“

 


Dummer Spruch:

„Was ist das denn für ein Mist?“

 

Wie wär's mit dieser Antwort?

„Wieso so negativ? Mist ist doch als Düngemittel vielerorts hochgeschätzt!“

 


Dummer Spruch:

„Cooles Shirt! Gab’s das auch in deiner Größe?“

 

Meine Antwort:

„Na, jedenfalls nicht in der Größe des Fehlbetrags in den Jahresabschlußzahlen, die wir hier besprechen wollten.“


 

 

Wer das Thema dieser Kolumne praktisch vertiefen will, ist herzlich in meinen „Mir mir nicht“-Workshops willkommen.

 

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