Vorbeugen ist besser!

Wie Ihr Euch beim Berufsstart nicht alles gefallen lasst.

 

Vor Beginn eurer ersten Stelle geht euch sicher viel durch den Kopf. Was wird von mir erwartet? Werde ich den Erwartungen gerecht? Wie soll ich mich verhalten, um einen möglichst glatten Start hinzulegen? Das sind alles gute und wichtige Fragen. Vielleicht solltet Ihr aber neben eurem eigenen Verhalten auch kurz die Anderen in den Blick nehmen.

 

Kollegen und Vorgesetzte sind Menschen wie alle anderen auch. Auch sie agieren oft unvorhersehbar, und nicht immer freundlich. Manchmal überschreiten sie dabei die Grenzen zu übergriffigem Verhalten. Das kann alles Mögliche sein – von unangebrachten Bemerkungen über Machtmissbrauch und Mobbing bis hin zu sexuellen Übergriffen. In diesem Artikel möchte ich euch hierfür sensibilisieren. Und euch ein paar Tipps an die Hand geben, wie ihr unerfreulichen Erlebnissen am Arbeitsplatz von Anfang an durch gezielte Maßnahmen vorbeugen könnt.

 

50 %

 

aller Beschäftigten haben schon einmal sexuelle Belästigung erlebt.


 

Definiere deine Grenzen

 

Mach dir als Erstes klar, wo deine persönlichen Schmerzgrenzen liegen. Was bist du bereit zu tolerieren, und mit welcher Art von Kommentaren oder Handlungen sind bei dir die Grenzen überschritten?

 

Beispiele: Wie reagierst du auf sexualisierte Anspielungen – zum Beispiel Bemerkungen zur Länge deines Rockes oder deiner Beine? Wie sieht es mit deinem Bedürfnis nach persönlicher Distanz aus? Wie viel Raum brauchst du um dich herum? Ist es OK für dich, wenn dich ein Kollege anfasst? Wie stehst du zu diskriminierenden Aussagen? Wie offen möchtest du mit deinem Privatleben umgehen? Welche Aspekte davon möchtest du am Arbeitsplatz teilen, und welche sollen lieber privat bleiben?

 


Nur wenn du dir über solche Fragen von Anfang im Klaren bist, kannst du dafür sorgen, dass deine Grenzen gewahrt bleiben. Denn wenn sie erst einmal unwidersprochen überschritten wurden, dann wird es schwierig, später darauf zu pochen.

 

Lege dir deshalb für den Fall, dass dir jemand zu nahetritt, im Voraus ein paar passende Antworten oder Reaktionen zurecht. Du könntest zum Beispiel sagen: „Dieses Thema ist mir jetzt zu privat“ oder: „Ich fühle mich unwohl, wenn mir jemand so nah über die Schulter schaut“. Unangenehme Themen kannst du natürlich auch umschiffen, indem du gar nicht auf sie eingehst und zum jeweiligen Arbeitsthema zurückkehrst. Aber sobald dein Gegenüber ganz klar den Rahmen des sozial akzeptierten verlässt, solltest du in jedem Fall eingreifen und klarstellen: „Das gehört nicht hierher!“

 

Sende klare Signale, dass du kein Opfer bist

 

Im Kopf eines möglichen Übergreifers passiert meist eine ganze Menge, bevor ein wirklicher Fehltritt passiert. Entscheidend ist dabei: Das Gegenüber wird daraufhin taxiert, ob es sich als Opfer eignet, ob es sich also die Aktion gefallen lassen wird, oder ob man Gefahr läuft, sich selbst eine (metaphorische oder im Ernstfall sogar physische) „blutige Nase“ zu holen. Sorge also dafür, dass du nicht in’s Opfer-Schema passt – auch oder gerade dann, wenn du körperlich eher zart gebaut bist.

 

Mit verbalen Signalen zur Markierung deiner Grenzen hast du dazu schon den ersten Schritt gemacht. Unterstreiche diesen Eindruck auch mit physischen Mitteln. Vermeide typische „Unterwerfungsgesten“, wie den Kopf schief zu halten, die Augen aufzuschlagen, oder dir an den Hals oder ins Gesicht zu fassen. Halte den Kopf gerade, sitze oder stehe aufrecht und übe dich in einem festen Händedruck. Und nehme dir bei Meetings oder im Flur angemessen viel Platz, anstatt dich kleinzumachen und in die Ecke zu quetschen, um einem Kollegen seinen raumgreifenden Sitz oder Gang zu ermöglichen.

 


Spreche angemessen laut, und benutze klare Aussagen und Aufforderungen, anstelle von Fragen oder Entschuldigungen. Sage also beispielsweise nicht: „Entschuldigung, könntest du bitte meinen Arm loslassen?“, sondern: „Lass mich los!“. Wenn du etwas brauchst, dann fordere es klar ein („Ich brauche die Zahlen noch heute für meinen Bericht!“) anstatt unterwürfig darum zu betteln („Wäre es vielleicht möglich, dass du mir die Zahlen heute noch gibst?“). Und nicht zuletzt: Mach deine professionelle Haltung auch durch einen entsprechenden, angemessenen Kleidungsstil am Arbeitsplatz deutlich.

 

Don’t be there! Vermeide Situationen, die kippen können

 

Manche Situationen im Arbeitsleben sind von vornherein anfälliger für Übergriffigkeiten als andere. Wenn du sie vermeidest, hast du schon viel gewonnen. Besonders sensibel sind Situationen, in denen man das normale, geschützte Arbeitsumfeld mit der sachlichen Büro-Atmosphäre verlässt und sich der Grenze zum Privaten annähert.

 

 

Firmenfeiern oder Abendveranstaltungen sind Beispiele dafür - ganz besonders, wenn auch noch Alkohol ins Spiel kommt. Zu vorgerückter, heiterer Stunde ist schon manches unbedachte Wort gefallen und so manche Hand an sensiblen Stellen gelandet. Um solchen unangenehmen Vorfällen vorzubeugen, ist es hilfreich, auch hier professionell zu bleiben, dein Verhalten im Griff zu haben und deinen Alkoholkonsum zu begrenzen.

 


 

Dienstreisen sind ein weiteres Beispiel. Fernab der Firma und des sozialen Umfelds entwickeln manche Menschen überraschende Verhaltensweisen. Hier lohnt es sich, ganz besonders aufmerksam zu sein und im Zweifelsfall ein geschütztes Umfeld zu suchen. Wenn beispielsweise eine Gruppe von Kollegen während einer Reise am späten Abend noch zu einer Kneipentour aufbricht, dann lass es im Zweifelsfall lieber sein und zieh dich in dein Zimmer zurück. Du solltest auf Reisen auch keinen dienstlichen Besprechungen in persönlichen Hotelzimmern zustimmen. Sucht euch lieber eine ruhige Ecke in der Hotel-Lobby, um erst gar keine Mehrdeutigkeiten – und keine ungewollten Gelegenheiten - aufkommen zu lassen.

 

4 von 5

 

Beschäftigten wissen nicht, dass Arbeitgeber gesetzlich zum Schutz ihrer Mitarbeiter verpflichtet sind.

 

Quelle: macht-immer-sinn.de/ stark-gegen-sexuelle-belaestigung/

 

 


Nimm deinen Arbeitgeber in die Pflicht!

 

Und nicht zuletzt: Nutze die Tatsache, dass dein Arbeitgeber zu deinem Schutz am Arbeitsplatz verpflichtet ist!

 

Informiere dich gleich zu Arbeitsbeginn darüber, welche Schutzmaßnahmen an deinem Arbeitsplatz schon implementiert sind. Wer sind die betrieblichen Ansprechpartner?


Gibt es einen im Unternehmenshandbuch festgeschriebenen Code of Conduct? Welche Sicherheitsvorkehrungen bestehen bei Kundenkontakt? Gibt es in den späten Abend- und Nachstunden einen Sicherheitsdienst? Wie erreichst du ihn? Und wenn du dienstlich oft sehr früh morgens oder spät abends unterwegs bist: Kläre, ob und unter welchen Umständen du Taxifahrten erstattet bekommst.

Falls du unzureichende Schutzmaßnahmen oder Gefahrenstellen feststellst (z.B. zu wenig Frauenparkplätze oder fehlende Notrufknöpfe), dann zögere nicht, deinen Arbeitgeber darauf aufmerksam zu machen und fordere entsprechende Änderungen ein. Denn Sicherheit am Arbeitsplatz ist nicht weniger als dein gutes Recht. Und sie kommt nicht nur dir, sondern allen an deinem Arbeitsplatz zugute.

 

 

Wer das Thema dieser Kolumne praktisch vertiefen will, ist herzlich in meinen „Mir mir nicht“-Workshops willkommen.

 

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